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Nekrophilie
Nach konventionellem Pathologieverständnis ist Nekrophilie ein sexuelles Begehren, das sich auf Leichen oder Leichenteile bezieht. – Da für die Pathognostik Dinge Mutterleibleichen sind, wäre Nekrophilie ein Begehren, das sich auf Dinge bezieht.
Nekrophilie will das Tote lebendig werden lassen, oder vielmehr: sie unterstellt die Lebendigkeit des Toten. Nekrophilie ist ein Inzest mit den Dingen, Faszination des Abgespaltenen, Zerstückelten, Verdinglichten.
Inbegriff des Toten ist die Mutterleibleiche, phantasmatischer Kern der toten Dinge. Nekrophilie ist eine "dingliche Mutterleibleichenverklärung" (PIV V, 35). Sie ist der Versuch, die tote Mutter zum Leben zu erwecken.
Beispiele sind das Schreiben und das Fotografieren. Oder auch die Defäkation.
Triebabkömmling Arbeit? Zur psychoanalytisch vernachlässigten Politökonomie; in: Pathognostische Interventionen V, 35
Notizen:
Der Versuch des Orpheus, Eurydike von den Toten zum Leben zu erwecken. - Nekrophilie der Musik
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Anschlüsse
Fromm, Erich, Anatomie der menschlichen Destruktivität, 373:
"Die Nekrophilie kann man im charakterologischen Sinn definieren als das leidenschaftliche Angezogenwerden von allem, was tot, vermodert, verwest und krank ist; sie ist die Leidenschaft, das, was lebendig ist, in etwas Unlebendiges umzuwandeln; zu zerstören um der Zerstörung willen; das ausschließliche Interesse an allem, was rein mechanisch ist. Es ist die Leidenschaft, lebendige Zusammenhänge zu zerstückeln."
Will nun die Leidenschaft der Nekrophilie das Lebendige in Totes verwandeln oder das Tote in Lebendiges? Oder ist das das Gleiche?
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