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Themen
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Akrophobie
Das phobische Objekt der Akrophobie ist die Tiefe, die ich sein will, über die ich verfügen, mit der ich verschmelzen möchte. Vielleicht vermag nur der Akrophobiker die Tiefe wahrzunehmen.
In der Phobie verfalle ich der Faszination der Kriegsförmigkeit (Martialität) der Dinge, der Phobie geht eine Anmaßung voraus. Bei der Akrophobie ist es die Höhe, die das Alles-sehen-wollen ist. Sehen ist Begehren, Bemächtigung. Bemächtigung läuft auf Fusion hinaus. Der Körper folgt als Geschoss dem Blick in die Tiefe und vereinigt sich im Sturz mit dem phobischen Objekt.
Der Phobiker will zu dem phobischen Objekt werden und wird für diese Anmaßung bestraft. Die Anmaßung liegt jedoch im phobischen Objekt selbst, in seiner Produktion als menschliches Artefakt (Schuld der Produktion).
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Anschlüsse
Primär ist die Faszination der Tiefe, der Wunsch mit ihr eins zu werden, und damit mit mir selbst.
Jean-Paul Sartre, Saint Genet, Komödiant und Märtyrer, 71:
"Beim Schwindelgefühl, wenn wir über einen Abgrund gebeugt sind, fühlen wir uns ja aus uns hinausgleiten, fließen, fallen; am Grund des Loches ruft uns etwas, das wir selbst sind, das heißt unser Sein, das uns entgeht und mit dem wir im Tod wieder zusammentreffen."
Es ist der Wunsch, in die Tiefe zu springen, der die Angst auslöst, ein Wunsch aus der Tiefe meiner selbst, den ich fürchte, nicht kontrollieren zu können.
Heinz Kohut,Narzißmus, 171:
"Die irrationale Höhenangst (Akrophobie) ist (...) Folge der Wiederbelebung der infantilen Größenphantasie, man könne fliegen. Genau gesagt: Das unmodifizierte Größen-Selbst drängt das Ich, in die Tiefe zu springen, um durch den Raum zu fliegen oder zu schweben. Das Real-Ich reagiert jedoch mit Angst auf jene eigenen Anteile, die der lebensbedrohenden Forderung gehorchen möchten."
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