Mystik ist der Gipfel des Narzissmus: keine Differenz mehr zwischen mir und den Dingen, das Begehren, diese Differenz selbst zu sein. In der mystischen Einheit soll sich die repräsentationskonstitutive Differenz aufheben. Eine inzestuöse Anmaßung der Einswerdung, die zum Tode führte, würde sie nicht in Formen der Derealisierung aufgehalten.
"Die repräsentationsermöglichende Sperre zwischen mir und meinen »Objekten der Begierde« gerät ins Schwimmen, ja schwindet gar. Das macht meine Insistenz auf der peremtorischen Possession derselben, das erfüllend letale Einswerden damit, so als ob es vergönnt wäre, die inzestuöse Bewußtlosigkeit des Tiefschlafs und, letztlich ohne Ende, des vorgestellten Todes hyperrepräsentativ - Endanmaßung des »Todestrieb« - existieren zu können. Provokation des Gotts des Gerichts, des Mystikers »finstere Nacht der Gottheit« - von Glück kann ich nur sagen, daß, gnädigerweise, diese Todesnäherung sich noch aufhält in sanktionalen Anwandlungen von Depersonalisation/Derealisation, die mich, rettend gar in aller Unzuträglichkeit, immer dann befallen, wenn ich wähne, in urnarzißtischem Kurzschluß mit mir selbst, alle Welt selbst zu sein, dem unüberbietbaren Selbstgenügen. Abbiegung auch vor allem repräsentationsdekadenten Wahnsinn, dem vorweggenommen selbstinflationär auftrumpfenden Sterbensaugenblick - Isoldes Schlußgesang."
Neurologie, ganz anders; in: Pathognostische Interventionen IV, 144
Genealogica Bd. 59. Essen: Die Blaue Eule. 2017