Der Todestrieb sucht nicht den Tod, sondern wehrt ihn ab, und dies in einer Identifikation mit ihm, indem er ihn vollstreckt und entäußert als Vergegenständlichung. Er ist der Grundvorgang der Menschwerdung.
"Todesabwehr - bereits des Todestriebs erster Teil besteht in Todesabwehr, und der Todestrieb wäre dementsprechend der Defensivvorgang schlechthin. (...) Wie aber des einzelnen nimmt sich der Todestrieb, paradoxerweise Todesabwehr, aus? Welcher Abwehrmechanismus ist in dieser Dimension der »letzten Dinge« am Werk? Es ist die »Identifikation mit dem Aggressor« - man ist versucht, freudianisch metaphysisch zu sagen: die Uridentifikation mit dem Uraggressor Tod. Es handelt sich um einen ausgezeichneten Vorgang, der menschliches Tun überhaupt, dessen Zustandekommen und Erhaltung, begründet, groß gesprochen: um den magisch-mimetischen Gründungsprozess von Menschheit selbst."
Todestrieb. Programm einer Revision; in Todesnäherungen, 26
Düsseldorf: Peras Verlag. 2007