Der Drogenkonsum ist eine Wiederbelebung der intrauterinen Ernährung und der extrauterinen Laktation, nicht nur beim Alkoholismus. Er ist ein Eintauchen ins Vergessen, in die glückselige Schuldlosigkeit, in die Sehnsucht nach Unsterblichkeit.
"Mindest paßt es zu diesen Charakteren, daß mit dem Trinken sich die Sphäre der Erinnerungs-, der Besinnungslosigkeit, um nicht zu sagen: (dubioserweise) der schieren Unschuld, evoziert: die tiefe Amnesie der intrauterinen Plazenta-Bluternährung, die flachere der extrauterinen Laktation, immer auch darin, (und freilich isolierbar) das Wasser-Universale: Wasser-Lethe immerdar. Und folgerichtig führt die unvermeidliche Passion der Perennierung des erlaubten nutrimentalen Inzests zur Droge, dem Inbegriff der Fundamentalexkulpation des sterblichen Körpers, der, drogiert, als solcher, zum unsterblichen Ding sich zu sublimieren trachtet - wirkt man im (erinnerbaren) Traum nicht immer auch wie angetrunken, wie drogiert?"
Traum-Deutungs-Proben; in: Traum - Traum 1999, 280
Wien: Passagen Verlag. 1999