|
Passagen
Ödipuskomplex - Narzissmus - Todestrieb \
Eros als differierende Abwehr
Der Freudsche Dualismus zwischen Todestrieb und Eros wird aufgegeben zugunsten einer monistischen Todestriebtheorie, in der der Eros die Funktion eines differierenden Aufschubs hat. Dieser Aufschub gestaltet sich als Wendung des Sogs der Selbstzerstörung zur Gewaltveräußerung, zur Sucht, zur Krankheit.
Eros als differierende Abwehr
"Als einzig problematisch erweist sich nicht so sehr die biologistische »Verwunschenheit« (auch) der Todestriebtheorie, die unschwer gebührend philosophisch transkribierbar ist, als vielmehr die vielleicht bei Freud mehr konfessionellen denn gedanklich vollzogenen Residuen eines Dualismus, der in diesem Trieb(e)zusammenhang dem »Eros«/den »Lebenstrieben« eine unerfindliche Hetero-geneität zubilligt, die unvermeidlich dann zum Hort einer neuen kulturpositiven Hoffnung werden muß, anstatt, was ohne Zweifel immer schwerfällt, die Monismusoption dagegen durchzuhalten dem erotischen Todeswiderpart angemessen nicht mehr einzuräumen als die Potenz des Aufschubs und freilich auch der anscheinend heilsamen Täuschung, angefangen von der basalen Umwendung der Todesverfallenheit in Gewalt über deren Suchtsuspension bis hin zur letzten Todesdilation als Krankheit. Eros also die Instanz der differierenden Abwehr, selbst aber gebildet und genährt aus der Triebkraft des Abgewehrten."
Hinführung zur Pathognostik für Psychoanalytiker der höheren Stände; in: Lectiones pathognosticae, 50
Düsseldorf: Psychoanalyse & Philosophie. 1999
Begriffe:
|