Der Geschwisterinzest verschleiert seine Herkunft aus dem Vater-Tochter-Inzest und dem Mutter-Sohn-Inzest durch Selbstbezüglichkeit der Simulation: jede Referenz wird zur Simulation und breitet sich aus als Schein referenzloser Medialität.
"Wenn das Kriterium der geschwisterinzestuösen Elternersetzung die geschwisterliche Elternsimulation ist, so muß diese ihre Schwäche, eben bloß Simulation zu sein, in sich ausgeglichen werden. Das Kompensationsmittel aber der Wahl besteht darin - die Rückkehr zum Simulierten ist ja versperrt -, die Simulation in sich selbst hineinzutreiben, selbstbezüglich also zu machen. In diesem zweifelhaften Nachhelfensvorgang, diesem Schwächeausgleich, muß sie, um ihrer Existenz willen, auffällig werden, sich einprägen, in Bann schlagen, erschrecken; muß sich so gerieren, als sei sie in dieser ihrer täuschenden überkompensatorischen Mächtigkeit nicht vom Defizit der Bezugslosigkeit, dem inzestuösen Ausgangsstigma gezeichnet."
»Alle Menschen werden Brüder...«. Mytho-philosophische Anmerkungen zum Geschwisterproblem; in: Pathognostische Studien V, 20
Genealogica Bd. 27. Essen: Die Blaue Eule. 1999