Masochismus ist Todesabwehr durch lustvolle Besetzung der Todesimagination. Nur indem wir unseren Zerfall bejahen, können wir existieren. Der Masochismus ist unsere Überlebensstrategie.
"So das Phantasma des Masochismus (gemäß der späten Triebtheorie Freuds gesprochen): ultimative Erosparade wider Thanatos, auf dem Niveau des Fleisches, der Sexualität. Und sie ist - in meiner Lesart - das sich überschlagende, letztlich exponiert vergebliche Werk des »Todestriebs«, das heißt des Todes-assimilierenden Kontraparts des Todes (des unmöglicherweise vorgestellten Todes!). Immerhin aber, gleichwohl, eine urmenschliche List, die solange Bestand haben wird, bis wir keine todestrieblichen Todesanbeter mehr wären; welcher Ablaß in weiteste, utopische, immer weiter sich entfernende Ferne rückt. Um die menschlichste Wehrhaftigkeit des also prekärst todesleugnenden Masochismus mehr noch hervorzustreichen: Masochismus, der sich in der dubiosesten Würde von Lebenshypostase, erotischer Todesweihe, um nicht zu sagen: Sakramentalität erfüllt (»letzte Ölung«)."
Masochismus; in: Pathognostische Studien XI, 103
Genealogica Bd. 44 Essen: Die Blaue Eule. 2011