Weshalb kann man die meisten Träume nicht erinnern? Es ist ein Schutz vor einer traumatischen Selbstpräsenz, die das Gedächtnis bedroht.
"In sich verpaßt der Traum sich per definitionem den Hadesfluß Lethe, nein, mehr noch: ein Weltmeer des Vergessens: der erinnerte Traum je die erinnerbare Spitze eines nicht erinnerbaren Eisbergs. Umso besser, nämlich als Indiz der Ausgeglichenheit des Träumers? Nein, zugleich womöglich umgekehrt die Anzeige eines Übermaßes an gedächnisfeindlichem traumatischem Störfall, als materiales paranoisierendes Entzugspendant zur invers geöffneten Einsicht letztlich immer in einen Selbstgewahrungshorror durch die »Zensur« zumal, und allemal dem Phantasma der Präsenz schmählichst zuwider."
Selbstreferentialität in der Psychoanalyse. Zum heterodoxen »funktionalen Phänomen« Herbert Silberers; in: Pathognostische Studien V, 112
Genealogica Bd. 27. Essen: Die Blaue Eule. 1999