Keine Intellektualität ohne Abwehr. Aber auch wenn jede Thematisierung durch Sprache und Schrift sich auf Abwehr stützt, kann das Abgewehrte in ihr sichtbar bleiben, in einer Art reflexiven Einholung und Selbsttransparenz, ohne allerdings die Abwehr auflösen zu können.
"... daß unsere Diskussion hier, wie überhaupt Sprache und Schrift, nicht nicht abwehrfundiert sein kann, allerdings auf eine besondere Weise, sofern die Abwehr das Abgewehrte transparent einpackt, wie durch eine durchsichtige Schutzhülle offen-sichtlich sein läßt. Und, mehr noch: dieser paradoxe Vorgang ist im ganzen abwehrhaft, und zwar im Sinne von Beschwörung, des magischen Akts der Offenlegung (Apo-kalypse, im Unterschied zur konträren Magie der Epi-kalypse), einer Einsichtserhaltung, die zum einzigen Wahrheitspathos von Aufklärungsheroik stilisiert, allerdings allzu leicht darüber hinwegtäuscht, daß sie keineswegs aller Abwehr, unbeschadet der paradoxen Abwehrform, die sie trägt, ledig ist: welcher Ausfall ja tödlich wäre."
Ödipus' Tod. Über eine psychoanalytische Auslassung; in: Retro III, 129
Genealogica Bd. 37. Essen: Die Blaue Eule. 2006