Der Ort der Schuld ist nicht das einzelne Subjekt, sondern der objektive Prozess der Produktion und Verteilung, in die sich das Subjekt verstrickt, indem es die Schuld anzapft und als Krankheit (oder Intellektualität) austrägt. Eine besondere Sensibilität öffnet sich der Schuld, die ansonsten in den Dingen verschlossen bleibt.
"Es gibt kein schuldiges Subjekt, wenngleich in Psychopathologie ausschließlich über Schuld gehandelt wird (...). In der sich verlierenden Schuldverschiebung in die Generationenfolge hinein zurück fehlen die Synchronie der Dinge (in der Art technologischer/institutioneller Querschnitte sozusagen), und vor allem die überfällige Verabschiedung jeglicher Katharsis, also der einschlägigen Methoden der Schuldverschiebung letztlich unter dem Anspruch von Schuldauflösung, wofür dann die in dieser Funktion fraglos beanspruchten Dinge überhaupt nicht mehr in Frage kommen können. Deshalb dann auch verschärft das Verdikt, daß es für Krankheit keine schuldige Ursache gebe. Womit ich nicht zuletzt einem sozialpsychiatrisch umgekehrten Kausalismus, der noch wohlfeiler werden könnte als der lebensgeschichtliche, zu wehren suche. Zugespitzt gesagt, hat Krankheit keine Kausalgenese und in diesem Sinne keine Geschichte, vielmehr eine identische Binnenverfassung, eine innere Organisationsform."
Ein alternativer Vorschlag zur psychoanalytischen Symptomauffassung; in: Pathognostische Studien III, 149
Genealogica Bd. 20. Essen: Die Blaue Eule. 1990