Die Ersetzung der Dinge durch Bilder oder die Vollendung der Warenwelt in der Reklame sind Ausprägungen des medialen Geschwisterinzest. Der Geschwisterinzest ist die simulative Ersetzung von Mutter und Vater und entspricht der medialen Indifferenzierung.
"Fiele die zeitgemäße Sexualitätsverfassung geschwisterinzestuös aus; wäre so etwas wie moderne Angelologie (...) die Selbsterfüllung des Warencharakters in seiner Reklamepräsentation, Aufgang alles Fleisches im bebilderten Tod, Paradigma der »semiologischen Reduktion der symbolischen Funktion« (Baudrillard). Die inzestuösen Geschwister substituieren Vater und Mutter, indem sie Eltern präsentieren, spielen: das Vater (eingesperrte Mutter)/Tochter-Inzestsignifikat, mit sich selbst kurzgeschlossen, das ist die Schwester, und der Mutter (toter Vater)/Sohn-Inzestsignifikant, ebenso nur sich selbst berührend, das Brüderlein - Geschwisterinkarnation des Produktionsphantasmas selber, christlich gesagt, immerhin schon bis zu den Engeln gediehen, die sich geistig vermählen, indem sie selbstaffektioniert wechselseitig Signifikats- und Signifikantenteile aneinander abtreten."
Shame and Scandal in the Family (II); in: Schizo-Schleichwege, 54
Bremen: Impuls Verlag. 1983