Die Steigerung der eigenen Intellektualität derart in eine Anmaßung hinein, dass sich ihre schriftlichen Ausfällungen in eine Fremdheit hinein verlieren, in der man sich abhanden kommt: der Versuch, in Gott einzudringen und dabei das eigene Selbst zu bewahren.
"Je erhabener meine intellektuellen Leistungen sich exponieren - bloß in diesem Sinne machen sie sich kompensatorisch stark –, umso mehr entkommen sie meiner Eigendominanz, entschwinden, von mir notrufend reklamiert, in einem detachierten Jenseits.
Das hört sich wesentlich moderater an, als es, eigenempirisch affektionsdurchsetzt, ausfällt: eine wie psychosennahe Selbstverfassung, in der ich mir selbst in meinen Schriftlichkeiten wie ein zugleich gänzlich meiniger verschlossener Fremdkörper vorkomme, »inklusivdisjunktiv« zerrissen, auf dem Sprung – bereinigend paranoische Wende? –, daß mich die Fremdheitsseite meiner selbst zu verfolgen begänne, die eigenheimische dagegen sich – wohin? – verziehe. Was so will es scheinen – an den Denkgehalten liegt, an deren Sanktionswürdigkeit, säkular mystisch nämlich ins »Innere der Gottheit« einzudringen."
Retronöte; in: Pathognostische Interventionen IV, 188
Genealogica Bd. 59. Essen: Die Blaue Eule. 2017
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