Schon in der herkömmlichen Psychoanalyse findet man die Einsichten, von denen her sich eine Opfertheorie ohne Opferausgleich formulieren ließe – was dann die Intention der Pathognostik ist. Die Psychoanalyse hingegen verschließt das Opferverhältnis, um es umso gewaltförmiger in Theorie und Praxis auszutragen.
"Die Psychoanalyse könnte in ihren selbstliquidatorischen, nicht eigentlich ausgeführten und rezipierten Theoremen, zentral dem »Todestrieb«, eine Fundamentaltheorie des Opfers, bar der Utopie des Opferausgleichs oder gar der Opferaufhebung sein. Nicht zuletzt dann in praktischer Verfahrensrücksicht bedürfte der Status dieser Fundamentaltheorie der Klärung, dies vielleicht unter dem Stichwort einer »Aufklärung ohne Alternative«, einer seltsamen Wissenschaftsaffinität demnach.
Die herrschenden herkömmlichen Psychoanalysen hingegen, die sich ihrer Binnenliquidation durch sich selber nicht aussetzen und die, vorher schon, ihre unmögliche Reinheitsverfassung zum Glück umgehen, sind Spitzenepikalypsen des besagten fundamentalen Opferverhältnisses, das sie eben als unerkanntes nur umso gewalttätiger reklamieren: kurzum: die Dingsklaverei, die prämierte Dingsklaverei, ganz einfach."
Anmerkungen zu Psychoanalyse und Philosophie; in: Zerstreuungen, 64
Wien: Passagen Verlag. 1993